<b>NEUSEELAND RUFT: </b>DIE SÜDLICHEN ALPEN IN NEUEM LICHT

NEUSEELAND RUFT: DIE SÜDLICHEN ALPEN IN NEUEM LICHT

Ich hatte Neuseeland mit dem bitteren Beigeschmack der Niederlage verlassen. Elf Monate hatte ich in den südlichen Alpen verbracht und war nicht einmal so bergsteigen, wie ich es gewollt hatte.
05-17-2019
Adventure

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Chris Brinlee Jr
#REVITRIDER

Chris Brinlee jr. ist ein Geschichtenerzähler. Die besten Geschichten erlebt man aber selten an seinem Arbeitsplatz. Also verließ Chris den seinen als Art Director in einer schicken Werbeagentur, um etwas zu erleben. Seither führten ihn seine Abenteuer rund um den Globus: Er paddelte durch einsame Fjorde in Ostgrönland, fuhr Motorrad in Vietnam, segelte mit anderen in die Antarktis und bestieg 6000er-Gipfel in Nepal.

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Chris Brinlee Jr.

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Mountains

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ENTTÄUSCHUNG IN DEN BERGEN

Vielleicht waren meine Ambitionen zu groß. Vielleicht hatte ich übertrieben optimistische Erwartungen, welches Wetter und welche weiteren Bedingungen in den großen Bergen das Zepter schwingen würden. Jeder Versuch, mit dem ich meine alpinistischen Fähigkeiten steigern wollte, hatte mich weiter von diesem Sport entfernt.

Am Ende der Saison war ich bereit, Neuseeland zu verlassen. Es gab allerdings eine Sache, die mich wieder dorthin zurückzog, und zwar schneller als ich dachte.

Meine Erfahrungen auf der Südinsel lassen sich mit Annäherungen in traditioneller Bergsteigermanier charakterisieren. Im Wesentlichen bedeutete dies, auf einen Hubschrauber zu verzichten und stattdessen zu viel Gepäck über zu lange Strecken durch ein Gelände zu tragen, das viel zu steil und zu unwegsam war. Ein Gelände, das regelmäßig von Erdrutschen und Erosion heimgesucht wurde. Diese Erfahrungen hatten meinen Wunsch, tiefer in die Alpen vorzudringen, vollständig eliminiert.

Das heißt aber nicht, dass ich sie nicht gerne wie ein Bild betrachtet habe. Die Gebirgslandschaften in Neuseeland sind atemberaubend schön, so lange du sie nicht zu Fuß mit Massen an Gepäck durchqueren musst.

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Africa Twins

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ERLÖSUNG IN DEN SÜDLICHEN ALPEN

Es schien, als wäre eine einwöchige, 1600 km lange Motorradtour durch die südlichen Alpen die perfekte Gelegenheit, um eine komplett neue Perspektive von der Gegend zu bekommen, die ich so sehr lieben gelernt habe und gleichzeitig so tief verabscheue. Zwei Monate nach unserer Rückkehr in die USA kamen meine Partnerin Priya und ich erneut in Christchurch an, im Schlepptau unseren Freund Gunner Wright.

Mich an meine „Nicht-Kletterei“ in Neuseeland erinnernd, war mein größter Erfolg die Wiederentdeckung meines persönlichen Drehpunktes. Dinge passieren nun mal nicht immer so wie geplant, daran können wir dann nichts ändern. Aber wir können eine Situation durch unsere Reaktionen kontrollieren, sowohl im Hinblick auf unseren Gemütszustand als auch auf unseren Aktionsplan.

Highlights

REV'IT! and Nexx Outfit

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DENK DRAN LOSZULASSEN

Direkt nach unserer Ankunft bekam ich eine Möglichkeit, diese neue Sichtweise zu üben. Die Enduros, die wir für unser Pistenabenteuer gemietet hatten, waren 25 kg schwerer als erwartet und mit Straßenreifen ausgestattet. Mist.

Wenigstens waren mein Sand 3 Anzug und mein Helm auf dem Flug weder verlorengegangen noch beschädigt. Für die Nacht bezogen wir ein reizendes Quartier in Eco Villa. Das half mir, spontan eine neue Reiseplanung zu entwickeln.

Mein ursprünglicher Plan, die wundervollen Täler im Herzen der Alpen zu befahren, war dahin. Die wilden Pfade dorthin würden für uns zu schwierig. Unsere Motorräder, Honda Africa Twin Adventure Sport von 2019, waren gut für die Straße, aber die 250-Kilo-Version des reanimierten Paris-Dakar-Champions taugte weit weniger für unser geplantes Abenteuer, als es der Name eigentlich impliziert. Dazu kommt: Ich wiege 63 kg und bin 1,70 Meter groß.

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New Zealand Alps 1
New Zealand Alps 2
New Zealand Alps 3
New Zealand Alps 4

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SPONTANE PLANÄNDERUNG

Es sah so aus, als stünde uns ein andere Art Abenteuer bevor. Nisha, unser Gastgeber in Eco Villa, schlug vor, dass wir Kontakt aufnehmen mit den Besitzern von Valley Views Glamping, fünf Fahrstunden südlich von Christchurch gelegen. Eventuell gab es ja irgendwelche Last-Minute-Unterkünfte für den nächsten Tag. Beim Frühstück hatte ich eine positive Antwort in meiner Mailbox. Sah so aus, als würde mein Drehpunkt heute gut funktionieren. Wir würden unseren Schwerpunkt auf Straßen durch zauberhafte Landschaften legen und nach nachhaltigen Unterkünften suchen als eine Möglichkeit, uns unseren ökologischen Fußabdruck bewusst zu machen.

Nach einem Essen, dessen Schwerpunkt auf Gemüse und Grünzeug aus dem Garten lag und das begleitet wurde von hausgemachter Pflanzenmilch, wurde es Zeit, sich auf den Weg zu machen. Die ersten Stunden auf der Landstraße fuhren wir in sengender Sonne. Also Futter raus und alle Belüftungsöffnungen an Jacke und Hose aufgemacht – ich hatte kein Problem mit der Wärme.

Schon bald hinter der Stadtgrenze überquerten wir einen großartigen türkisfarbenen Fluss und hielten an, um dieses Bild in uns aufzusaugen. Dann erhielten ich eine neue Chance eine Lektion zu lernen, die in den vergangenen elf Monaten über meinem Kopf schwebte: „Die Umstände zu akzeptieren ist der Schlüssel zu jedem Abenteuer in Neuseeland.“

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Gravel Roads

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REGEN HAU’ AB

Genau wie es die Wettervorhersage angekündigt hatte, wurde der Himmel am späten Nachmittag grau. Kurz nachdem wir wieder auf der Straße waren, fing es an zu regnen. Ich hatte das kommen sehen und beim letzten Stopp mein wasserdichtes Futter wieder eingezippt.

Straßenmotorräder zu fahren lernte ich in Los Angeles während der vier Jahre der großen kalifornischen Dürre. Regenerfahrung sammelte ich auf einer 110-Kubik Honda Win, als ich für einen Monat in Vietnam arbeitete. Das ist nicht viel an Erfahrung für Neuseeland, halbe Sache gibt es hier nicht. Es regnete nicht, es schüttete.

Dazu sanken die Temperaturen deutlich. Ein harter Test, aber selbst nach zwei Stunden Fahrt durch den strömenden Regen war nicht ein Wassertropfen in meinen Anzug hineingekommen – es fühlt sich klasse an, wenn gute Ausrüstung exzellent arbeitet.

Auch wenn wir ursprünglich nahezu unbekannte Wege befahren wollten, erwies sich die Africa Twin als perfekt für geteerte Straßen, selbst im Regen. Die hohe Frontscheibe schützte vorm Fahrtwind, dank des großen Tanks mussten wir uns kaum Gedanken um die nächste Tankstelle machen, sondern konzentrierten uns einfach auf die vor uns liegenden Kilometer.

Als wir von der Landstraße auf eine Piste abbogen, rissen die Wolken auf und die Sonne beleuchtete unseren Weg nach Valley Views. Wir waren 400 km mit geringem Tempo gefahren und froh, endlich eine Pause von der Fahrerei einzulegen. Unsere Gastgeber Patrick und Amber begrüßten uns herzlich und geleiteten uns zu unseren Räumlichkeiten. Wir hatten genügend Zeit unsere Taschen abzulegen und uns umzuziehen, bevor wir uns mit den anderen Gästen zum gemeinschaftlichen Abendessen niederließen.

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Valley Views Glamping 1

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Valley Views Glamping 3

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SILBERNE BETTLAKEN

Als ich nach draußen ging, entdeckte ich einen Regenbogen über unserer Herberge. Er flackerte mal hell, mal dunkel, abhängig von den Wolken und der Sonne. Kurz darauf kamen mehr Wolken heran und es begann zu schneien. Das war die perfekte Erinnerung daran, dass viele Dinge im Leben eben nicht nach Plan verlaufen. Aber wenn man offen und flexibel bleibt, kann man sich an beinahe alles spontan anpassen.

Es schien nicht wichtig zu sein, welche Erwartungen ich an Neuseeland geknüpft hatte. Bergsteigen oder Motorradfahren, ich musste mich angleichen. Dieses Mal war ich schneller darin, eine Situation zu akzeptieren und die Belohnung kam sofort. Diese Einsicht erwies sich als der richtige Schlüssel für unsere Motorradtour. Hätte ich diese Lektion doch nur früher gelernt, meine elf Monate hier wären möglicherweise nicht so nervenaufreibend gewesen.

Vielleicht war es aber auch wichtig, erst einmal Distanz zwischen die Insel und mich zu bringen, um dann eine neue Perspektive zu finden. Ich hatte Angst wegzugehen, doch mit jedem gefahrenen Kilometer wurde ich dankbar dafür, dass ich so schnell nach Neuseeland zurückkehren konnte und das Land auf total neue und liebenswerte Weise kennenlernen konnte.

Jetzt kann ich es kaum erwarten, wieder dorthin zu kommen. Aber dann will ich mit einer kleineren Enduro fahren. Es juckt mich tiefer einzudringen. Wieder.

Highlights

Night

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