LEUCHTENDE WEGE: <b>CALIFORNIA BACKCOUNTRY DISCOVERY ROUTE</b>

LEUCHTENDE WEGE: CALIFORNIA BACKCOUNTRY DISCOVERY ROUTE

Die California Backcountry Discovery Route South umfasst über 1300 Kilometer wilder Piste durch unwegsames Terrain. Sie ist eine der anspruchsvollsten BDR, die es gibt. Kris Fant, Mitglied im REV’IT! Damenteam, kleidete sich ein und wühlte sich für diesen Bericht von der CABDR durch den Dreck.
11-27-2019
Adventure

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KRIS FANT
#REVITWOMENSTEAM

Kris Fant begann 2012 mit dem Motorradfahren auf der Straße und im Gelände, damals noch beides getrennt. Doch schon ein Jahr später stieg sie auf eine Enduro um. In den folgenden Jahren engagierte sie sich in der Endurogemeinschaft, hauptsächlich durch ihre Arbeit fürs Women ADV Riders Magazine. 2019 stieß sie zur REV’IT! Damenmannschaft, um weiterhin das Hohelied vom Spaß am Endurofahren zu predigen! Kris fährt gerne mit ihrer DR 650 zur Arbeit und benutzt dazu oft die unbefestigten Wege rund um ihren Wohnort Portland. Auch die Wochenenden verbringt sie oft mit Geländefahrten. Aber beim Fahren auf Backcountry Discovery Route mit ihrem Mann blüht sie so richtig auf. Erleben Sie Südost-Kalifornien und die CABDR durch Kris aus erster Hand.

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Kris Fant

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DER RUF DES WESTENS

Der Wilde Westen. Siedlertrecks, Goldrausch, Missionen und die Geschichte der indigenen Ureinwohner befruchteten unsere Vorstellungskraft und zogen uns in die kalifornische Wüste wie Licht die Motten anzieht. Anfang des Jahres sattelten zwei befreundete Pioniere und ich unsere benzingetriebenen Pferde und lenkten sie in Richtung der frisch eingeweihten California Backcountry Discovery Route. Es wurde das Abenteuer unseres Lebens.

Von Kopf bis Fuß geschützt durch meinen REV’IT! Tornado 2 Ladies Anzug, stieg ich auf Luna, meine treue DR, und los ging die Fahrt. Meine REV’IT! Airborne LS Ladies Basisschicht würde mich bei den Temperaturen in der Wüste abkühlen. Vor mir lagen die kniffligsten Pisten, die ich je gefahren bin. In Yuma/Arizona verließen wir die geteerten Straßen und überquerten den All American Canal. Nach wenigen Meilen erreichten wir die Indian Pass Road, die bekannt dafür ist, auf knapp zwölf Kilometern mit tiefem Sand Fahrer und Kupplungen lebendig zu verschlingen. Wir flogen nur so drüber weg und folgten dem Colorado River, eine grünen Oase in einem Meer aus Sand.

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ETWAS FÜR DIE GESCHICHTSFANS

Diese Route ist ein Traum für jeden Fan von Geschichte. Die Blythe Intaglios sind eine Serie von gigantischen Geoglyphen, die wahrscheinlich mehr als 1000 Jahre alt sind, aber erst 1931 aus einem Flugzeug heraus entdeckt wurden. Archäologen sind immer noch verwirrt über diese Abbildungen von Menschen, Tieren und geometrischen Mustern. Ihren Betrachter versetzen sie auf jeden Fall in Ehrfurcht.

Diesen Anblick wollten wir nicht verpassen, genau so wenig wie die Fahrt durch den Intaglios Loop. Der Untergrund fühlte sich an wie ein altes Flussbett mit tiefem Sand und großen Felsbrocken, ein exzellenter Auftakt für unsere Wild-West-Erfahrung. Auch wenn wir den Sand der legendären Indian Pass Road bereits hinter uns hatten, war ich doch hoch erfreut darüber, meine Fahrfertigkeiten im Sand weiter zu vertiefen.

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MOJAVE & MINEN

In der Mojave bemerkten wir kaum, dass wir uns in der Wüste befanden dank der großen und wunderschönen Felder mit Joshua Trees. Diese prähistorisch ausschauenden Sukkulenten mit dornenförmigen Blättern wachsen nirgendwo sonst auf der Welt und sind charakteristisch für diese nahezu außerirdische Landschaft. Sie wachsen zwischen Felsen, die 80 bis 100 Millionen Jahre alt sind, dagegen wirkte unsere Wild-West-Geschichte wie von gestern. Das Naturschutzgebiet bot sich geradezu an zum Übernachten, die atemberaubende Felsnadeln und außergewöhnlichen Felsformationen lieferten einen fantastischen Hintergrund für Fotos mit Zelten und Motorrädern bei Sonnenaufgang. Und natürlich nahmen wir Rücksicht auf die fragile Natur, die Joshua Trees leiden unter dem Klimawandel und immer häufiger unter Vandalismus.

Im weiteren Verlauf unserer Tour trafen wir auf die erste Mine, die Tagebaumine Colosseum. Sie ist trichterförmig angelegt, über eine Trasse konnten wir bis zu ihrem Grund fahren. Das Regenwasser, dass sich in einem Bassin gesammelt hat, zog uns geradezu magisch an und versprach Abkühlung nach einer felsigen Bergauffahrt hierhin. Doch wir verkniffen uns den Sprung ins Nass, ebenso das Auffüllen unserer Wasserflaschen. Man hatte uns gewarnt, das Wasser könnte arsenbelastet sein. Umso mehr freuten wir uns über die Wolke, die über unsere Köpfe hinweg zog. Sie brachte uns ein paar Regentropfen und damit eine erfrischende Pause an einem ansonsten heißen Tag.

Highlights

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EIN BAD UND EINE PAUSE

Die Pioniere früherer Tage werden sich über die heiße Quelle von Tecopa gefreut haben, endlich konnte man sich den Wüstenstaub abwaschen. Heute kann man dort im Tecopa Hot Springs Resort absteigen. In diesem anheimelnden Hotel mit komfortablen Betten und privaten Badewannen erholten wir uns von einer langen Tagesfahrt und planten die nächsten Schritte.

Das Schild „Steak Soak Beer“ war nicht zu übersehen. Für mich sah das aus wie eine Einladung. Aber Achtung, in Tecopa laufen die Geschäfte saisonal. Vor allem zwischen April und Oktober sollte man vorher anrufen und sich informieren, wer oder was geöffnet hat. Und man sollte unbedingt die China Ranch besuchen, um dort Dattel-Shakes und Dattelbrot probieren. Köstlich!

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WÜSTE & CANYONS

Nach der Erholung an den heißen Quellen trieb es uns weiter ins Death Valley. Darauf waren wir besser vorbereitet als die Goldsucher, die 1849 diese extreme Landschaft durchquerten und ihm diesen verfluchten Namen verpassten, als Leid und Tod sie begleiteten. Viele Orte im Death Valley waren Minenstädte und wurden durch Sturzfluten zerstört. Die Sanddünen von Ibex sind tief und weich wie Talkum. Doch die Dünen sind Teil der Route, der Abschnitt war kurz und wir ließen ihn schneller hinter uns als wir gedacht hatten. Der Rest vom Death Valley war meiner Meinung nach heiß, flach und von einer minimalistischen Kulisse. So blieb es bis Furnace Creek. Unsere Motorräder brauchten Sprit und wir genossen indianische frittierte Tacos, Shave Ice und die Klimaanlage. Furnace Creek war eine Pause wert!

Das Death Valley mag endlos wirken, den dortigen Titus Canyon muss man auf jeden Fall einmal durchfahren haben. Er ist eine 42 Kilometer lange Schönheit aus leuchtenden Farben und Fahrspaß. Ich fragte mich, wie etwas so schönes Bestandteil einer so öden Landschaft wie dem Death Valley sein kann. Wir folgten der Straße nach Teakettle Junction und The Racetrack. Die nächste Herausforderung war der Lippincott Pass und das Saline Valley. Die Lippincott Road führte einst zu gleichnamigen Mine, in der bis zu ihrer Schließung 1951 Blei, Silber und Zink abgebaut wurden. Seither wurde die Straße nicht mehr gewartet, Regenwasser hat sie ausgespült, ihre Ränder sind unbefestigt und mit tiefen Absätzen versehen. Hier sollte man nur in Gruppen fahren, damit man sich auf diesem Abschnitt, der viel Erfahrung erfordert, gegenseitig helfen kann.

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INS TAL, IN DIE MINE

Im Saline Valley wurden Salz und Borax abgebaut und per Seilbahn über die Inyo Mountains ins Owens Valley transportiert. Unsere Route führte über eine steinübersäte Strecke nach Cerro Gordo Mine, eine Geisterstadt, die gerade renoviert wurde. Der Abstieg ins Owens Valley auf einer breiten Schotterpiste war absolut fantastisch. Owens Valley hat eine streitbelastete Historie, seine Bewohner zankten sich lange mit Los Angeles um Wasserrechte. Los Angeles setzte sich durch und sicherte sich die Rechte auf Jahre. Übrig blieben ausgetrocknete Seen in einem Gebiet, in dem heute Sandstürme toben.

Es wurde spät, wir schlugen unsere Nachtlager in den Alabama Hills auf. Nach einer erholsamen Nacht besuchten wir man nächsten Morgen das Manzanar War Relocation Center. Das ist ein historisches Monument, das an die im 2. Weltkrieg internierten Japaner erinnert. Ein düsterer Tagesbeginn für uns, andererseits bildeten die Berge drumherum den passenden Rahmen für eine gelassene Reflektion. Hinter Manzanar führt der Weg zur Reward Mine über eine schnelle Piste, die dann in einen steinigen Weg übergeht. In die Mine selbst konnten wir rund 800 Meter hineinfahren. Die Reward Mine war für die Goldgräber ziemlich ergiebig, heute sollte man sich nicht zu weit hinein wagen. Bei den Overalls drehten wir um, weil es zu eng wurde und dicke Felsbrocken uns den Weg versperrten.

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EIN ENDE MIT ZIERSCHLEIFE

Wir kamen ans Ende unserer Reise, freuten uns aber noch auf Felsmalereien von Fosh Slough und den Chidago Canyon. Abschnitt Acht der Route war so schnell und einfach zu fahren, dass wir uns zu Fotostopps zwingen mussten. Schließlich legten wir noch einen Halt an den heißen Quellen von Benton ein.

Die sind ein zauberhafter Hafen mitten in der Wüste mit Warmwassersprinklern, Zelten mit Badewannen und einem nahe gelegenen Café, in dem man festliche Trankopfer bringen kann. Das war der perfekte Abschluss der BDR, bei dem unser kleines Reiseteam darüber diskutierte, welche Erinnerung der letzten sechs Tage die Schönste war.

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